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Rainald Grebe Waldbühnen-Konzert 2011

Mehr Fans als Elton John: Rainald Grebe in der Waldbühne

Zum 40. Geburtstag hatte Rainald Grebe zum großen Halleluja Berlin- Konzert in die Berliner Waldbühne eingeladen und je nach Quelle folgten zwischen 15.000 und 18.000 Menschen seinem Aufruf. Soviel sei direkt verraten: Sie bekamen Einiges geboten für ihr Geld.

Pünktlich um 18 Uhr öffneten sich die Tore der Waldbühne und die langen Schlangen der – trotz Regenwetter- schon davor Wartenden verteilten sich nach und nach auf die Ränge. Als die Waldbühne schon gut gefüllt war, wurden dem Publikum vom Gropiuschor ein paar Liedchen geträllert, was die gutgelaunte Menge prompt mit La Olas honorierte. Nach dem Gesang wurde geboxt, es standen zwei Amateurkämpfe auf dem Programm. Der Auftritt einiger Turnerinnen musste aufgrund der Witterung leider entfallen, immerhin durften sie sich den Zuschauern kurz präsentieren, bevor sie wieder hinter der Bühne verschwanden. Für den Ausfall entschädigte das Bolschewistische Blasorchester, das mit “Ostberlin, Westberlin, Nordberlin, Südberlin, Ganzberlin” gut Stimmung machte. Die während des gesamten Vorprogramms immer wieder auf der großen Leinwand gezeigten Bilder von Sportlern während der Nazizeit hätte man sich nach meinem Geschmack allerdings sparen können.

Dann war es soweit, Auftritt Rainald Grebe. Sein Markenzeichen, der Indianerschmuck, durfte natürlich nicht fehlen. Zum Einritt auf seinem Pferd – liebevoll “Schattenfell” genannt- kam es zwar ganz knapp doch nicht, dafür legte Grebe direkt voll los, indem er sich erst über den zeitgleich spielenden Elton John lustig machte: “”Elton John hat heute Abend nur 8000 Zuschauer”, bevor er ein Volksmusik-Medley zum Besten gab. Und lustig ging es weiter. Rainald Grebe unterhielt das Publikum mit Hits wie Dörte, 30-jährige Pärchen oder Prenzlauer Berg auf das Beste. Der ebenfalls anwesende Wowereit bekam zu hören: “Im Tipi im Tipi, da macht der Wowi Pipi” und mit Hilfe eines Zeitzeugen wollte Rainald das Rolling Stones- Konzert wieder aufleben lassen, bei welchem 1965 die Waldbühne so stark beschädigt wurde, dass sie jahrelang nicht bespielt werden konnte. Das scheiterte letztlich, aber immerhin standen alle Zuschauer auf den Bänken und trampelten wohlwollend mit den Füßen. 2011 sind eben nicht die 60er Jahre. Riesige luftgefüllte Bälle flogen übers Publikum hinweg, ein (unechtes) Kamel lief auf der Bühne umher, Grebe gab einem (verkleideten) Pinguin einen wilden Zungenkuss – zwischenzeitlich erinnerte die Action (positiv!) an die verrückten Bonaparte.

Immer wieder waren Auftritte anderer Künstler in das Programm integriert. Mal spielte ein taubstummer Papagei eine Rolle und mal ein Holzfeuerwerk (wegen Waldbrandgefahr). Zwischendurch präsentierte René Marik Geschichten mit seinem Maulwurf und anderen schräge Gestalten, die auch vor großem Publikum, erstaunlich gut funktionierten. Die Menge war jedenfalls zufrieden, was nicht selbstverständlich war, warteten doch viele nur auf die weiteren Lieder Rainald Grebes.

Der begann den zweiten Teil des Abends etwas ernster, es dunkelte jetzt langsam. Sein Indianerkostüm war zwischenzeitlich einer Krone gewichen. So ausgestattet sang Rainald Grebe mit passender Arroganz und Pathos seine von Oben herab- Hymne “Oben”. Danach gab er den dikatorischen Präsident. Es war schwer, sich bei allen Sympathien, die Grebe im Publikum genoss, auf das Spiel mit der Arroganz einlassen. In diesem Teil des Konzerts hatte man kurz das Gefühl, Grebe würde das Publikum und seine Wünsche falsch einschätzen, aber es war nur ein Moment. Als Rainald Grebe sich an seine Eltern wandte und Familienfotos zeigte und gewohnt süffisant kommentierte und als er dann “Familie Gold” intonierte, da war es kurz doch ziemlich besinnlich und fast intim. Direkt danach kam eines meiner Highlights an diesem an Höhepunkten wirklich nicht armen Abend – Rainald Grebe sang vor 18.000 Zuschauern, ja fast inmitten, den ersten Song, den ich von ihm kannte: Massenkompatibel. Ein großartiger Moment, offensichtlich für Künstler und Publikum, denn auch Grebe wirkte merklich ergriffen.

Nach der Nachdenklichkeit kam dann endlich der Moment, auf den viele im Publikum sich schon den ganzen Abend freuten, auch wenn sie geduldig warteten und bestens unterhalten wurden: Rainald Grebe sang seine bekannten Länderhymnen; alle am Stück. Mecklenburg Vorpommern, Sachsen Anhalt und Sachsen,  – aus jedem Bundesland waren Gäste anwesend. Es wurden Feuerzeuge, Knicklichter, Wunderkerzen und andere Leuchtkörper gezückt, denn mittlerweile war es dunkel geworden.  Sein – vor Allem in Berlin – wohl bekanntestes Lied hatte Rainald Grebe sich ganz für den Schluss aufgehoben. Mit “Brandenburg” fand der Abend einen krönenden Abschluss, der das gesamte Publikum zu Standing Ovations und lautstarkem Mitsingen des Refrains “Halleluja Berlin” veranlasste. Am Ende wollte ihn niemand gehen lassen, aber pünktlich 23 Uhr war das Konzert vorbei. Grebe erklärte, er würde gerne noch bis 6 Uhr miorgens machen, aber er dürfe nicht. Nach drei Stunden Dauerprogramm war das gerade so zu verschmerzen.

Wer nicht in der Waldbühne war, hat eindeutig etwas verpasst. Besser hätte Grebes Auftritt nicht laufen können. Auch das Wetter spielte mit: Während des Auftritts regnete es kein einziges Mal. Daheimgebliebene müssen sich trotzdem nicht allzu lange ärgern, denn Rainald Grebe ist auf Deutschlandtour. Und im Januar 2012 können Berliner Fans ihn in den Wühlmäusen das nächste Mal live erleben. Bis zum nächsten Waldbühnenkonzert von Rainald Grebe muss man sich allerdings gedulden: Reinald versprach, seinen 50. Geburtstag wieder auf der Waldbühne zu feiern.

Offizielle Homepage Rainald Grebe

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