VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)
VN:F [1.9.22_1171]
- Bewertung: 5.0/5 (1 Stimme bisher) - Dein Kommentar -


Eine der tollen Sachen, wenn man beruflich irgendwas mit Musik zu tun hat, ist sicherlich, dass man immer wieder zu Konzerten eingeladen wird; teils auch zu Konzerten von Newcomer-Bands. Oft genug weiß man später genau, warum man die fragliche Band nicht kannte. Aber manchmal ist es umgekehrt und wunderbar: Da kriegt man eine Einladung zum Konzert einer völlig unbekannten Band, geht hin und ist kurz darauf hin und weg. So war das Freitag.

Tobias, der Schlagzeuger von Sugar from Soul aus Mainz, hatte mich aufgrund dieses Blogs darauf hingewiesen, dass sie ein Konzert in der Ex’n’Pop-Bar geben würden und fragte mich, ob ich eventuell vorbei kommen wollte. Ich hörte mir die aktuelle EP an (“Double-Minded” gibt es in ihrem Youtube-Kanal) und was ich hörte, gefiel mir sehr. Rock, der mich hier ein wenig an die Beatsteaks, dort ein bisschen an Queens Of The Stoneage erinnerte. Nicht die schlechtesten Referenzen, zumal das Ganze durchaus eigenständig klang. Ich googelte ein wenig herum und fand nicht wahnsinnig viele Infos zur Band, die waren aber durchweg positiv. Ich sagte zu und begab mich nach Schöneberg.

Versehentlich bin ich auf die Minute pünktlich gewesen, was den Effekt hatte, dass ich als Erster dort war, sehr unangenehm. ;) Nach und nach trudelten dann doch noch ein paar weitere Gäste ein, voll war es aber nicht. So blieb genug Zeit für ein Bier und ein kleines Schwätzchen mit Tobias (netter Kerl!), der mir vom Auftritt am Vortag im Tacheles erzählte (gut) und den ich ein bisschen über den Alltag einer Newcomerband befragen konnte (wobei Sugar From Soul sooo jung nicht sind, immerhin spielen sie schon seit 2006 zusammen, was man auch merkt, aber dazu später mehr). Ich unterhielt mich jedenfalls bestens und hoffte inbrünstig, die Band würde nicht enttäuschen.

Zuerst trat die Supportband auf, Doppeleffekt aus Dortmund. Vier sympathische junge Kerle, die eine Art Pop-Punk mit deutschen Texten spielen, nicht übel, aber wohl Geschmackssache. Hab mir auf ihrer Myspaceseite ein paar Songs angehört, mir waren die Songs aber zu poppig.

Doppeleffekt sind: Simon, Jan, Simon und Thomas (v.l.n.r.)

Live klang ihr Sound sehr blechern und übersteuernd, nach kurzer Irritation war ich darüber aber ganz froh, denn das gab den Songs eine gewisse Aggression, die der Musik eher nützte als schadete. Das Publikum ging gut mit und forderte eine kleine Zugabe. Dafür holten Doppeleffekt ihren passend zu Berlin umgetexteten Münster-Song hervor, der animierte das Publikumsogar zum Mitsingen. Ich hatte beim Konzert durchaus Spaß, man nimmt den Jungs ab, dass sie gern musizieren, von Perfektion sind sie aber noch weit entfernt.

Danach spielten Sugar From Soul. Sugar From Soul sind Fabian (Gesang, Gitarre), Benny (Gitarre), Jasmin (Bass) und Tobi (Schlagzeug). Hörproben gibt es auch auf Facebook oder auf ihrer Myspace-Seite.

Mit “The Core” von der am 3. Mai veröffentlichten CD starteten die auch gleich zünftig. Schnell war klar: Die haben technisch und musikalisch echt was drauf und harmonieren sehr gut miteinander. Hier merkt man, dass die Band häufig zusammen vor Publikum steht. Die EP war gut, aber live sind Sugar From Soul eine Wucht. Selten habe ich einen Sänger erlebt, der so genau wusste, wie man ein Mikro bedient (ja, man kann mehr als einfach nur rein singen), außerdem hat er eine sehr wandlungsfähige Stimme, die in den Refrains desöfteren von der Bassistin unterstützt wird.

Fabian (Gesang und Gitarre) und Jasmin (Bass)

Der Gitarrist macht Sperenzchen, spielt beispielsweise wie Hendrix hinterm Rücken, ist aber vor Allem talentiert und spielt mit viel Gefühl. Schlagzeug und Bass verhielten sich etwas unauffälliger, was bei den teils recht vertrackten Rocksongs der Band allerdings nichts anderes heißt, als dass sie sehr gut spielten.

Benny (Gitarre) in Action

Die Songs sind abwechslungsreich, mal rockiger, mal eher Blues, die Refrains bleiben im Ohr, die Musik zwingt zur Bewegung und ist voller Energie. Alles sehr toll und nach meinem Geschmack. Songs von älteren Veröffentlichungen erinnerten in ihren epischeren Momenten und wenn der Gesang etwas höher ausfiel, positiv an Muse, die ich sehr schätze. David Bowie (habe ich in einem andern Review gelesen) ist in manchen Momentan auch eine Assoziation, die ich nachvollziehen kann. Insgesamt sind Sugar From Soul aber eine sehr eigenständige Band, deren Entwicklung ich interessiert weiter beobachten werde.

Ich war am Ende nicht der Einzige, den die Band umgehauen hat. Ringsum sah ich immer wieder begeisterte bis staunende Gesichter. Die wenigsten Zuschauer hatten wohl solch hochwertige Musik erwartet. Das Publikum wollte die Mainzer gar nicht wieder von der Bühne lassen. Auch mit einer Zugabe gab es sich nicht zufrieden, nein, es mussten zwei sein, und das, obwohl die arme Band kaum noch Songs im Repertoire hatte. Aber irgendwann muss alles Gute enden, so auch dieses Konzert. Im Anschluss daran erstand ich noch schnell eine selbstbetitelte CD der werten Herr- und Damenschaften und war sehr froh, als Tobias mir verkündete, die Band werde aller Voraussicht nach im Herbst wieder in Berlin vorbei schauen. Es wäre schade wenn nicht!

 

Zucker für die Seele - Sugar From Soul im Ex'n'Pop (Support: Doppeleffekt) , 5.0 out of 5 based on 1 rating