Ben Hur Live – Brot und Spiele
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Ben Hur ist der Held des berühmtesten antiken Wagenrennens. Ben Hur hat 1960 elf Oscars gewonnen. “Ben Hur Live” ist ein ehrgeiziges, ein monumentales Projekt zur Beglückung der Massen. 6,5 Millionen Euro Produktionskosten, 500 Tonnen Sand, 2 Galeeren, insgesamt über 4000 Requisiten, Scheinwerfer, Bühnenelemente und Kostüme für über 250 Gladiatoren, Tänzer und Statisten, 100 Tiere, davon 40 Pferde. Um den Zirkus Maximus von einer Arena in die nächste zu befördern, werden 60 Trucks benötigt. – Größenwahn?

Produzent Franz Abraham sagt, “Ben Hur werde Epoche machen – Nicht mehr und nicht weniger” und “Man müsse davon ausgehen, dass Ben Hur länger als 50 Jahre laufen werde”. Die Gladiatoren-Show soll die ganze Welt erobern. “Monutainment” nennt er das Projekt seines Lebens. Und Abraham weiß wovon er spricht; hat er doch in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich die Monumental-Opern-Produktionen Aida, Carmina Burana und Carmen auf große Tourneen geschickt. Ben Hur könnte Alles in den Schatten stellen.
In 3 Wochen (17.09.2009) ist Uraufführung in Londons o2 Arena . Anschließend jagen Messala und Ben Hur ihre Vierspänner auch durch die Arenen in Hamburg, Stuttgart, München und Gelsenkirchen. Berlin steht für 2010 auf dem Tournee-Plan. Dann wird der alte Fluhafen Tempelhof zur römischen Gladiatoren-Arena. 35,50 Euro kosten die billigsten Karten. Die Tickets für Ben Hur – Live gibt es an allen Vorverkaufsstellen und natürlich bei HEKTICKET.de.
Ben Becker hat als Sprecher zugesagt / Stewart Copeland, „The Police“-Gründer, komponierte die Musik / Mark Fisher, der schon Pink Floyd’s legendäre “The Wall”-Bühne entwarf, verantwortet das Design.


Als großer Ben-Hur Fan habe ich wohl zu viel erwartet; was ich zu sehen und hören bekam (26.9.2009 in Hamburg) war eher eine Christopher Street Day Rave im Lateinischen Gewand als antike Unterhaltung: Viele Statisten in goldenen Unterhosen irrten um die Wette herum, Gladiatoren “hauten” sich wie bei einem Mädchenkampf auf dem Vorschulhof, Hauptdarsteller Ben Hur und Messala wirkten wie ein übereifriges Liebespaar und einige der angekündigten 100 Tieren hatten wohl am Samstag Ausgang. Bei der Seeschlacht rasten 5 oder 6 Quadbikes ziel- und planlos durch die Arena, die dazugehörige Besetzung gröllten und rasselten ihre Schwerter, während Stadionsprecher Ben Becker (der sich zum Schluß feiern ließ, als ob er Großes vollbracht hatte)fast durchgehend peinliche Texte zum Besten gab, damit wir Zuschauer die “Handlung” mitbekamen. Zugegeben, manches Bühnenbild wirkte sehr gut und die Kostümen waren wirklich schön anzusehen. Beindrückend sahen die Römischen Soldaten aus, wenngleich teilweise schlecht choreographiert – Tiberius hätte sie wahrscheinlich gekreuzigt wären sie so schlecht synchronisiert durch Rom marschiert. Apropos: Jesus musste nicht ans Kreuz: so süss-niedlich wie der wirkte, hätte man wohl nicht das Herz ihm so etwas anzutun. Die Musik war kläglich, wenn man bedenkt, wie exzellent mitreissend die Originalmusik von Filmkomponist Miklos Rosza (Ben Hur 1959)war. Sämtliche Akteure blieben blass, man bekam keinen Bezug und so war es egal was wem passierte. Es war bestenfalls etwas für ganz junge Zuschauer als Teil des Konformantenunterrichts – ganz sicher nicht die 100 Euro wert, die ich dafür investieren durfte. Es war gewagt, so etwas überhaupt live präsentieren zu wollen, besonders wenn man bedenkt, wie beindrückend der Film mit Charlton Heston noch immer wirkt. Da ist Cirque du Soleil wesentlich gekonnter, König der Löwen weitaus bombastischer und nebenan in der Norbank Arena spielte der HSV gegen Bayern München – da wurde bestimmt mehr geboten – besonders bei den Kampfszenen!